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Christian Konrad Wilhelm von Dohm

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Christian Konrad Wilhelm von Dohm

Beitrag  Andy am Di Dez 16, 2014 9:59 pm

Christian Konrad Wilhelm Dohm (von Dohm seit 1786) (* 11. Dezember 1751 in Lemgo; † 29. Mai 1820 in Pustleben bei Nordhausen) war Jurist, preußischer Diplomat und politischer und historischer Schriftsteller. Als Autor der wegweisenden Schrift Über die bürgerliche Verbesserung der Juden von 1781 trat er im Sinne der Aufklärung für die Jüdische Emanzipation ein und förderte diese europaweit.



Leben

Dohm war Sohn des Pastors Wolrad Dohm von St. Marien in Lemgo und seiner Ehefrau Anna Elisabeth, geborene Topp. Seine Mutter war die Tochter des damaligen Lemgoer Bürgermeisters. Beide Eltern starben noch vor Ablauf seines siebten Lebensjahres, so dass er unter der Vormundschaft seiner Verwandten aufwuchs und seine Kindheit in verschiedenen Pfarrers-, Lehrer- und Kantorenhaushalten Lemgos verbrachte.

Als Gymnasiast fiel er durch intensives und vielseitiges Literaturstudium in den Privatbibliotheken seiner Verwandten auf, u.a. der der Meyerschen Hofbuchdruckerei angeschlossenen Buchhandlung von Christian Friedrich Helwing (1725–1781), seinem späteren Schwiegervater. Durch seinen Mitschüler Lorenz Benzler gewann er lebenslange Freundschaft des Dichters Johann Wilhelm Ludwig Gleim aus Halberstadt.

Den Besuch einer Universität musste er sich beim Lemgoer Magistrat erklagen. Er studierte zunächst Philosophie und Theologie in Leipzig, dann Rechtswissenschaft in Göttingen und Kassel. Dabei lernte er die Reichsverfassung gut kennen. Im Studium in Göttingen veröffentlichte er geografische Werke. 1774/75 war er Herausgeber des Encyclopädischen Journals. 1776 bis 1779 war er Professor am Carolinum der Kameral- und Finanzwissenschaften in Kassel. Er war Mitherausgeber des Deutschen Museums, das von 1776 bis 1791 bestand. Die Redaktion betreffende Verantwortlichkeit teilt Dohm sich mit Heinrich Christian Boie. Boie ist für den literarischen und literaturkritischen Teil des Journals zuständig, Dohm für den historisch-politischen. Während Boie sich mehr und mehr für literarische Zeitungsbeilage einsetzte, beharrte der Aufklärer Dohm auf politischen Beiträgen. Der vorübergehende Versuch, die Unausgeglichenheit durch jeweils alleinige Zuständigkeit für ein Heft auszutragen, führte zu sehr unterschiedlichen Heften. Dohm schied 1778 aus der Redaktion aus.

Seine Bewunderung für Friedrich II. ließen Dohm eine Anstellung im preußischen Staatsdienst anstreben. 1779 wurde er zum Archivar in Berlin ernannt. Dann (1783?) war er Geheimer Kriegsrat im preußischen Außenministerium und Sekretär bei der geheimen Staatskanzlei in Berlin. 1786 wurde Dohm von König Friedrich Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. 1786 bis 1794 war er Gesandter und Bevollmächtigter Minister in Köln und Aachen. Dohm spielte zwischen 1789 und 1791 eine bedeutende Rolle als Verteidiger der Lütticher Revolution. In Halberstadt lebte er seit 1794. Beim Rastatter Kongress war er in den Jahren 1798/99 anwesend. Eichsfeld-erfurtischer Kriegs- und Domänenkammerpräsident war er 1804; 1807 war er königlich westfälischer Staatsrat. In den Jahren 1808–1810 ist er königlich westfälischer Gesandter in Dresden gewesen und seit 1810 Privatier und Schriftsteller.


Christian Konrad Wilhelm von Dohm

Dohm war als Freimaurer Mitglied der Loge Zum gekrönten Löwen in Kassel. Er war Angehöriger der Berliner „Mittwochsgesellschaft“. Er heiratete Anna Henriette Elisabeth, geborene Helwing (* 1762 in Lemgo – † nach 1808). Mit ihnen stand z. B. Johann Gottfried Herder sowie auch seine Frau in Briefkontakt. Seine Beziehungen zu bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit wie Gleim, Johann Caspar Lavater, Christian Garve, Johann Jacob Engel, Johann Georg Sulzer, Georg Christoph Lichtenberg, Freiherr vom Stein und Johann Heinrich Jung-Stilling prägten Dohms Leben.
Ehrungen

Dohm wurde 1797 Ehrenbürger der Hansestadt Bremen, da er sich als Preußischer Gesandter bei verschiedenen Verhandlungen für Bremens Neutralität und den Erhalt der Selbständigkeit einsetzte.

Werk

Dohm wurde vor allem durch seine Schrift zur Judenemanzipation "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden" (1781) – die erste Schrift dieser Art – als aufgeklärter Vertreter der Bürgerrechte für die Juden europaweit bekannt. Die Idee dazu erhielt er von Moses Mendelssohn, der auf diese Weise versuchte, ein Hilfsgesuch unterdrückter Elsässer Juden weiterzuleiten. Dohm führte die den Juden damals weithin zugeschriebenen negativen Eigenschaften auf die rechtlichen Beschränkungen, unter denen sie litten, nicht auf angebliche Eigenarten als Volk oder als Religionsgemeinschaft zurück. Die vorhandenen Judenordnungen zwängen die Juden zu einer Lebensweise, die eben Ursache des Antijudaismus, der den Juden entgegengebrachten Feindschaft und Verachtung, sei. Er wollte sie durch Gleichberechtigung aus ihrer beruflichen Diskriminierung befreien und so zu nützlichen Staatsbürgern erziehen. Damit beeinflusste er Vertreter der Menschenrechte wie Mirabeau, durch deren Engagement die Französische Nationalversammlung 1791 die Gleichstellung der französischen Juden beschloss.
Werke

Über die bürgerliche Verbesserung der Juden. Zweyter Theil. Nicolai, Berlin u. Stettin 1783. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
Über die bürgerliche Verbesserung der Juden. 2 Teile in 1 Bd. Berlin u. Stettin 1781-83 u. Kaiserslautern 1891. Nachdruck: Olms, Hildesheim [u.a.] 1973.
Als Übersetzer: Friedrich II. (Preußen): Über die deutsche Literatur. Die Mängel, die man ihr vorwerfen kann, ihre Ursachen und die Mittel zu ihrer Verbesserung. Aus dem Französischen übersetzt (Übers. [Christian Conrad Wilhelm von Dohm]). Decker, Berlin 1780 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)


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