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Die Geschlechtergerechte Sprache

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Die Geschlechtergerechte Sprache

Beitrag  checker am Fr Nov 27, 2015 7:36 am

Unter dem Begriff geschlechtergerechte Sprache werden Vorschläge und Leitlinien für den Sprachgebrauch zusammengefasst, die darauf zielen, eine Sprache in Vokabular und Orthographie so zu modifizieren, dass die Gleichstellung der Geschlechter sprachlich ausgedrückt wird. Als „Gendering“ oder „Gendern“ wird es bezeichnet, wenn ein Text nach den Richtlinien geschlechtergerechten Formulierens erstellt wird.[1]

In der geschlechtergerechten Sprache werden im Wesentlichen zwei Wege eingeschlagen. Der erste macht das Geschlecht „sichtbar“, indem beide Gruppen explizit genannt werden (etwa: „Studentinnen und Studenten“, „Student/-innen“, „StudentInnen“) der andere verwendet geschlechtsneutrale Formulierungen wie „Studierende“, „Lehrkraft“ oder „Dozierende“.

Gelegentlich werden zur Vermeidung des mehrdeutigen Geschlechtsbegriffes auch die Termini sexusgerechte oder gendergerechte Sprache verwendet. Synonym verwendet werden auch die Begriffe geschlechterfaire und geschlechtersensible Sprache sowie nicht-sexistische Sprache[2].

Die Begriffe wurden insbesondere durch die Feministische Linguistik popularisiert und mit entsprechenden Vorschlägen untermauert. Die einflussreichsten Vertreterinnen im deutschen Sprachraum sind seit den 1970er Jahren Luise F. Pusch und Senta Trömel-Plötz, die mit Marlis Hellinger und Ingrid Guentherodt in den frühen 1980ern „Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs“ veröffentlichten. Der fortwährend stattfindende Sprachwandel des Deutschen wurde bewusst und durch die breite öffentliche Diskussion erfolgreich in Richtung einer geschlechtergerechteren Sprache gelenkt, auch wenn viele Punkte der durchaus heterogenen feministischen Sprachkritik weiterbestehen.

Prämissen

Eine Grundthese der feministischen Sprachkritik besagt, dass die Vormachtstellung des Mannes in der Gesellschaft auch in Struktur und Vokabular einer Sprache zum Ausdruck komme. Im Verhältnis von Mann und Frau beobachten feministische Sprachforscher eine „fundamentale Asymmetrie“ und bezeichnen die deutsche Sprache daher „in ihrer Struktur und ihrem Lexikon [als] sexistisch und androzentrisch.“[3] Diese männliche Dominanz in der Sprache wiederum festige die nachgeordnete Stellung der Frau. Eine Modifikation von Sprache wird daher für notwendig erachtet, um auf dem Weg eines sprachlich ausgelösten Bewusstseinswandels die Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft voranzubringen, vgl. Sapir-Whorf-Hypothese. Hierbei geht es vor allem auch darum, Frauen in der Sprache „sichtbar“ zu machen und ihnen so zu angemessener Repräsentanz in der verbalen Kommunikation zu verhelfen.
Strategien der geschlechtergerechten Sprache

Am deutschen Sprachsystem wurde schon in frühen Werken insbesondere, aber nicht ausschließlich, das sogenannte generische Maskulinum kritisiert, d.h. Substantive mit maskulinem Genus (der), die im Singular zur Bezeichnung eines Mannes oder einer Person unbekannten Geschlechts und mitunter einer Frau, im Plural zur Bezeichnung geschlechtlich beliebig zusammengesetzter, vor allem aber gemischter und rein männlicher Gruppen dienen sollen, wobei eine durch Movierung markierte, d.h. mittels des Morphems {-in(nen)} abgeleitete Form existiert, die explizit nur eine Frau bzw. eine Gruppe von Frauen denotiert.

Es gibt in der deutschen Sprache zwar auch Wörter im generischen Femininum (Waise, Geisel, Führungskraft, Range; Garde; Burschenschaft, Mannschaft) und generischen Neutrum (bspw. die meisten Diminutiva), aber das generische Maskulinum überwiegt in Anzahl und Frequenz stark. Diese Asymmetrie soll eine geschlechtergerechte Sprache vermeiden oder abschaffen.

Eine sprachliche Gleichstellung der Geschlechter könne entweder durch Sichtbarmachung oder durch Neutralisierung erreicht werden. Bei der Sichtbarmachung oder „Splitting“-Methode werden stets männliche und weibliche Personenbezeichnung zusammen und ggf. in wechselnder Reihenfolge verwendet. Dies ist vor allem bei getrennten Lexemen („Sehr geehrte Damen und Herren!“) die bevorzugte Methode. Die in manchen Sprachen bereits natürlich vorhandene Neutralisierung wird durch die Wahl oder Schaffung von Wörtern erreicht, die nicht mit der Bezeichnung für ein Geschlecht identisch und insofern neutral im engeren Sinne des Wortes sind. Hier werden also beide Geschlechter unsichtbar gemacht.

In der Pionierzeit der feministischen Linguistik wurde noch nicht der empirisch überprüfbaren Frage nachgegangen, ob Frauen sich durch das generische Maskulinum wirklich nicht „mitgemeint“ fühlen, sondern dies wurde als Grundannahme postuliert. In psycho- und soziolinguistischen Experimenten wurde später mehrfach nachgewiesen, dass Leser und Hörer weitgehend unabhängig vom eigenen Geschlecht bei einem maskulinen Wortstimulus (bspw. „ein Arzt“) prototypisch an einen Mann und nicht an einen geschlechtsunbestimmten Menschen denken, allerdings tritt der Effekt auch, wenngleich weniger stark, bei einem neutralen (bspw. „ein Kind“) oder fast neutralen Stimulus (bspw. „ein Mensch“ oder „eine Person“) auf. Dies spricht dafür, dass der kritisierte Sexismus im Sprachgebrauch nicht oder zumindest nicht hauptsächlich im Sprachsystem begründet ist, sondern in der Erfahrung und Annahme der gesellschaftlichen Realität liegt, d.h. es ist eher ein soziologisches als ein linguistisches Phänomen. Bei der expliziten Beidnennung (bspw. „ein Arzt oder eine Ärztin“) sowie bei getrennten Lexemen („ein Mann oder eine Frau“) verschwindet der Bias, allerdings gilt dies nicht oder nur eingeschränkt für Kurzformen aller Art (bspw. „Mediziner oder -in“, „Mediziner/in“, „Mediziner/-in“, „MedizinerIn“, „Mediziner(in)“, „Mediziner_in“, „Mediziner (m/w)“), allerdings können insbesondere das geschriebene Binnen-I und die ausgesprochene Verkürzung sogar zu einem weiblichen Bias führen.[4]

Die Linguistin Gisela Klann-Delius legt dar, dass die Studien zum generischen Maskulinum insgesamt in ihren Ergebnissen darauf hinweisen, dass das generische Maskulinum als männlich gedeutet wird, wobei der Grund für diese tendenziell geschlechtsspezifische Interpretation des generischen Maskulinums bisher nicht eindeutig bekannt sei und dass nicht sicher behauptet werden könne, dass diese Studien, die fast ausschließlich mit studentischen Probanden durchgeführt worden seien, auf andere Gruppen generalisierbar seien.[5] Studien, die an anderen Probanden durchgeführt werden (z.B. Kinder, Personen mit außer-universitärem Hintergrund usw.) kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass das generische Maskulinum nicht als „generisch“ bzw. geschlechtsneutral, sondern eher als geschlechtsspezifisch männlich, verstanden wird.[6] Vgl. Generisches Maskulinum#Geringerer gedanklicher Einbezug von Frauen.

Linguisten wie Hartwig Kalverkämper werfen der feministischen Linguistik vor, nicht sauber zwischen Zeichen (Wörtern) und Bezeichnetem (Männern und Frauen) sowie zwischen dem Genus von Wörtern und dem Sexus von Menschen zu unterscheiden. In der Sprachwissenschaft ist umstritten, in welchem Zusammenhang Genus und Sexus stehen.[7] Es zeigt sich bei bestimmten Begriffen ein eher lockerer oder kein Zusammenhang („der Löffel“, „die Gabel“, „das Messer“), bei anderen (z. B. Verwandtschafts- und Personenbezeichnungen) ist er sehr eng („der Vater“, „die Tante“).[8]
Sichtbarmachung

Die „Sichtbarmachung“ bemüht sich, alle gemeinten Geschlechter erkennbar zu machen. Dazu wird häufig für jedes Geschlecht eine Bezeichnung angegeben und mit und bzw' oder verknüpft (Beidnennung). Für weibliche Begriffe sind dafür oft feminine Suffixe notwendig, für männliche seltener. Im Schriftgebrauch haben sich verschiedene Kürzungstechniken eingebürgert.
Formen der Beidnennung anhand von Beispielen mit Begleiter und Problemfällen Bezeichnung ein Beamter der Zeuge jeder Koch die Lehrer
Doppelform (Splitting) ein Beamter oder eine Beamtin der Zeuge oder die Zeugin jeder Koch und jede Köchin die Lehrer und Lehrerinnen
eine Beamtin oder ein Beamter die Zeugin oder der Zeuge jede Köchin und jeder Koch die Lehrerinnen und Lehrer
Schrägstrich ein/-e Beamter/-in die/der Zeugin/-e jede/-r Koch/Köchin die Lehrer/-innen
ein/e Beamter/in die/der Zeugin/e jede/r Koch/in die Lehrer/innen
Hinweis: Bei der Verwendung der Schrägstriche ist auf die grammatikalische Korrektheit zu achten. So ist bspw. Pädagoge/-in der Form Pädagog/in vorzuziehen.
Klammer ein(e) Beamter oder Beamtin die Zeugin oder der Zeuge jede(r) Koch und Köchin die Lehrer(innen)
Gender Gap ein_e Beamt_er_in die_der Zeug_in_e jede_r Ko̱ch_in die Lehrer_innen
Gender-Sternchen ein*e Beamt*er*in d* Zeug*e*in jede*r Ko*ch*in, die Lehrer*innen
Binnen-I, Binnenmajuskel einE Beamter oder Beamtin die Zeugin oder der Zeuge jedeR Koch und Köchin die LehrerInnen
einE Beamter!n d. Zeuge!n jedeR Koch!n die Lehrer!nnen[9]
einᴇ Beamter oder Beamtin die Zeugin oder der Zeuge jedeʀ Koch und Köchin die Lehrerɪnnen
eine⃰ Beamter oder Beamtin die Zeugin oder der Zeuge jeder⃰ Ko⃰chı⃰n die Lehrerı⃰nnen
Generisches Femininum mit Binnen-I einE BeamtIn die ZeugIn jede KöchIn die LehrerInnen

Laut dem Leitfaden der Schweizerischen Bundeskanzlei ist die Einklammerung der weiblichen Endung – z. B. Lehrer(in) – keine adäquate Lösung, weil in Klammern üblicherweise steht, was für das unmittelbare Verständnis nicht notwendig ist und deshalb überlesen werden kann.[10] Außerdem seien Personenreferenzen mit grafischen Zeichen (z.B. Schrägstrich, Binnen-I, Auslassungsstrich) für fortlaufende Texte weniger geeignet als für verknappte Textpassagen, unvollständige Sätze und informelle Texte.[10]
Sichtbarmachung bei nicht movierten Lexemen Lexemunterscheidung Hebamme Hebamme oder Entbindungspfleger
Lexemersetzung Krankenschwester Krankenpflegerin oder Krankenpfleger
Partielle Lexemunterscheidung Kaufmann, Herbergsvater Kauffrau oder Kaufmann, Herbergsvater und Herbergsmutter
Attribut die Lehrlinge, die Ingenieure die weiblichen und männlichen Lehrlinge, die männlichen und weiblichen Ingenieure
Symbolisches Attribut ein Manager, eine Aushilfe ein Manager (m/w), Aushilfe (w/m)
Abkürzungen (Akronyme) Prof. Prof./-in
Hyperparallelisierung man, jedermann frau, jedefrau
Hyperkorrektur Gast, Mensch; Landsmann Gästin, Menschin; Landsmännin
Morphematische Reaktivierung Magister Magistra
Alternieren Den Teilnehmern gefiel es gut. Keiner der Teilnehmer hat es bereut. Die Teilnehmer wollen wiederkommen. Den Teilnehmern gefiel es gut. Keine der Teilnehmerinnen hat es bereut. Die Teilnehmer wollen wiederkommen.
Hinweis: Bei der alternierenden Form wird satz-, abschnitts- oder kapitelweise zwischen der weiblichen und männlichen Form gewechselt.

Da durch den konsequenten Ersatz des generischen Maskulinums durch die Beidnennung die Lesbarkeit von Texten abnehmen kann, wird häufig stattdessen sprachliche Kreativität mit geschickteren Formulierungen empfohlen. Es gibt Handreichungen, die viele Beispiele für geschlechtsneutrale Formulierungen beinhalten, wie z. B. eine Broschüre[11] vom Ministerium für Justiz, Frauen, Jugend und Familie des Landes Schleswig-Holstein.
Neutralisierung

Bei der Neutralisierung wird jeder Hinweis auf das Geschlecht entfernt. Geschlechtsneutrale Ersatzwörter können auf verschiedene Arten gebildet werden.
Bezeichnung Herkömmliche Formulierung Beispiele für Neutralisierung
Substantivierte Adjektive die Alkoholiker die Alkoholsüchtigen
substantivierte Partizipien I Studenten, Teilnehmer, Ausbilder Studierende, Teilnehmende, Ausbildende
substantivierte Partizipien II die Arbeitnehmer, die Parlamentarier die Angestellten, die Abgeordneten
Partizipium Perfekt Herausgeber: …, Absender: …, Verfasser: … herausgegeben von …, abgesandt durch …, verfasst von …
Funktionsbezeichnung der Geschäftsführer, Ansprechpartner die Geschäftsführung, Kontakt
Abstraktion der Kaufmann, der Lehrer, die Kollegen, die Kaufleute, die Lehrkraft, das Kollegium
Synonym die Mannschaft, Mädchenname, Zuhörer das Team, Geburtsname, Publikum
Adjektive Zugang für Rollstuhlfahrer rollstuhlgerechter Zugang
attributierte geschlechtsneutrale Begriffe der Betroffene, der Stimmberechtigte die betroffene Person, das stimmberechtigte Mitglied
Beschreibung Kundenberatung, Fußgängerweg Kundschaftsberatung, Gehweg
Hyperneutralisierung man mensch
Kurzwort, Abkürzung Student, Professor, der/die Angestellte, Schüler und Schülerinnen Studi, Prof., d. Angestellte, SuS
X-Form[12] Student, Professor Studierx, Professx
Passivform Der Arbeitnehmer erhält die Kinderzulage mit dem Lohn. Die Kinderzulage wird mit dem Lohn ausgerichtet.

Ungewohnte und wenig verbreitete Bildungen aus Partizipien I wie „Zufussgehende“ sind laut dem Leitfaden der Schweizerischen Bundeskanzlei zu vermeiden.[13]

Das Entsexualisieren der Sprache steht nicht nur im Dienst der Lesbarkeit. Das dahinterliegende Anliegen ist auch, nicht die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu betonen, sondern diese zu überwinden: „An Stelle der Sichtbarmachung des Weiblichen könnte die Unsichtbarmachung des Männlichen treten, zu Gunsten des Übergeschlechtlichen, allgemein Menschlichen.“[14]
Weitere Merkmale

Als sexistisch wird in den „Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs“ nicht nur die Verwendung des generischen Maskulinums bewertet. Merkmal des sexistischen Sprachgebrauchs ist demnach auch die Erstnennung des Mannes in Paarbezeichnungen wie „Adam und Eva“, „Romeo und Julia“ oder „Herr und Frau Meier“, aber auch in Beidnennungen wie „Lehrer oder Lehrerin“ oder „Ärzte und Ärztinnen“. In der direkten Anrede „Meine Damen und Herren!“ ist die umgekehrte Reihenfolge geläufig. Politiker sprechen Bürger in Ansprachen zunehmend als „liebe Bürgerinnen und Bürger“ an und ihre Parteifreunde bei Versammlungen je nach Partei als „liebe Genossinnen und Genossen“ (linke Parteien), „liebe Freundinnen und Freunde“ (bürgerliche Parteien) oder „liebe Kameradinnen und Kameraden“ (rechte Parteien). Zu einer geschlechtergerechten Sprache gehört entsprechend, dass die Reihenfolge ungefähr gleich verteilt abwechselnd verwendet wird. Früher sprachlich gängige Unterordnungen der Frau als Anhängsel eines Mannes, z. B. „Kaiserin Friedrich“, „Herr Meier und Gattin“, „Familie Hans Meier“, „Ehepaar Hans Meier“, „10 Manager, darunter 2 Frauen“ werden zunehmend vermieden.

Eine weitere Forderung betrifft das respektvolle Sprechen über Frauen, insbesondere die Vermeidung abwertender Begriffe (Pejorative). Zwar gibt es auch für Männer Bezeichnungen mit negativer Konnotation, aber eine These der feministischen Linguistik ist, dass diese in Anzahl und Verwendung viel geringer sind. Außerdem betrifft die Pejoration sowie die Euphemismus-Tretmühle eher gesellschaftlich schwache Gruppen und damit zumindest in der Vergangenheit eher weibliche als männliche Bezeichnungen.


Beziehungen zwischen adulten Geschlechtslexemen des Deutschen

Ein Resultat daraus sind einige sprachliche Asymmetrien, die in einer geschlechtergerechten Sprache beseitigt werden sollten. So wurde im Deutschen bis in die jüngere Vergangenheit zwischen Frau und Fräulein differenziert, während es etwas Ähnliches für Mann oder Herr nicht gibt. Neben dieser Nichtexistenz eines männlichen Äquivalents, das auch Jungfrau betrifft, verhalten sich auch die paarigen Lexeme asymmetrisch:

Mann – Frau
Gegen diese Grundopposition spricht für sich allein genommen nichts, lediglich in Kombination mit den folgenden Begriffspaaren kann sie problematisch sein.
Mann – Männin
Wie die meisten Maskulina ist auch Mann prinzipiell durch das Affix {-in} zu einer weiblichen Bezeichnung movierbar. Dies geschieht vor allem für Komposita wie Hauptmann – Hauptmännin, wo andere Varianten wie Hauptfrau semantisch bereits abweichend besetzt sind. Dies stärkt die prototypische Assoziation von Mann mit Mensch, zumal die Wörter etymologisch eng verwandt sind, und erklärt, warum es kein weibliches Pendant zu Mannschaft gibt.
Mann – Weib bzw. männlich – weiblich
Obwohl das Substantiv Weib im zeitgenössischen Sprachgebrauch nur noch pejorativ verwendet werden kann, fehlt diese Konnotation beim abgeleiteten Adjektiv, das statt ?fraulich oder *fräulich verwendet wird.
Herr – Dame
Dieses Begriffspaar dient der höflichen oder der unterordnenden Bezeichnung, insbesondere in der unpersönlichen Anrede. Es könnte zwar aus gesellschaftskritischer Sicht bemängelt werden, da es hierarchische soziale Rollen abbildet (vgl. Genosse, Bürger), aber für sich genommen wäre es aus feministischer Sicht unproblematisch, da sich beide Lexeme vom Grundpaar Mann – Frau unterscheiden. Allerdings wird mitunter die volksetymologische Beziehung zu den nur scheinbar verwandten, stark wertenden Adjektiven herrlich und dämlich problematisiert.
Herr – Herrin
Auch dieses Maskulinum kann, anders als etwa die Verwandtschaftsbezeichnungen Bruder, Vater, Onkel, moviert werden und ist dann ausschließlich für hierarchische Beziehungen geeignet.
Herr – Frau
In der persönlichen Anrede, ggf. ergänzt um den (Nach-)Namen, wird eine Mischung aus den bisher genannten Paaren verwendet. Dies wird teilweise als problematisch angesehen, weil Herr eine deutlich stärkere sozialhierarchische Komponente besitzt. Als formale Diminutive Frauchen und Herrchen im Sinne von ‚Besitzer von Haustieren‘ sind die Lexeme gleichwertig.
Kerl – Weib
In einigen paarigen Fügungen ist auch Kerl für die männliche Form gebräuchlich, z.B. Teufelskerl, Teufelsweib. Im Unterschied zu Herr und Mann wird Kerl nie zu *Kerlin moviert.
Ø – Fräulein
Weder Herrlein noch Männlein ist Antonym zu Fräulein, das sowohl als Anrede als auch als Bezeichnung bis ins späte 20. Jahrhundert gebräuchlich war.
Männchen – Ø
Im Sinne von ‚Figur‘ (z.B. Ampelmännchen) tritt Weibchen nicht paarig zu Männchen auf und auch Frauchen kann so nicht verwendet werden. Gelegentlich tritt ungewöhnlicherweise das phonologisch verwandte Mädchen als Alternative auf.
-mann – Ø
In einigen Komposita wie Blaumann, die unbelebtes bezeichnen, kann mann durch kein weibliches Lexem substituiert werden.
Ø – frau
Einige Komposita, bspw. Jungfrau und Putzfrau, sind so stark weiblich besetzt, dass sich bisher kein männliches Pendant entwickelt oder erhalten (vgl. Junker) hat. Stattdessen kann Jungfrau auch für Männer mit einem bestimmten Sternzeichen oder ohne sexuelle Erfahrung verwendet werden.
man – Ø
Das unbestimmte Pronomen man ist zwar etymologisch enger mit Mensch als mit Mann verwandt, aber da es genauso ausgesprochen wird, steht es ebenfalls in der Kritik und zum Teil werden parallel gebildete (*frau, *fra) oder umgeformte (*mensch, *men) Neologismen verwendet.

Das deutsche System der Possessiv- und Personalpronomen kennt die Geschlechtsunterscheidung nur in der dritten Person Singular, während andere Sprachen auch im Plural (bspw. Französisch) oder in der ersten oder zweiten Person unterscheiden, manche aber auch gar nicht.[15] Es gab verschiedene Vorschläge für neu einzuführende Pronomen, für die generelle Verwendung der neutralen Pronomen (es) oder für die Verwendung des geschlechtslosen Plurals (sie) auch für den Singular (wie das englische „singular they“). Allerdings entsprechen im Deutschen einige Formen des Neutrum-Pronomens dem Maskulinum (bspw. sein) und der Plural der dritten Person gleicht dem femininen Singular (sie, ihr). In der Praxis sind jedoch Beidnennung, Umformulierungen sowie die generische Verwendung des Maskulinums üblich. Ähnliches gilt für Relativpronomen und Attribute, die die Flexionsform des Substantivs, auf das sie sich beziehen, übernehmen, zumal sich die Endungen ähneln.

Weiteres dazu im Link :

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache

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