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Volkspolizist Fritz Fehrmann oder Tod unter dem Fallbeil

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Volkspolizist Fritz Fehrmann oder Tod unter dem Fallbeil

Beitrag  Andy am Sa Jun 17, 2017 10:54 pm

Dem Sozialismus räumte ich unter den gegenwärtigen Bedingungen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland keine Perspektive ein. (...) Die Wahlen in der DDR halte ich nicht für demokratische freie Wahlen des Volkes.“ (Fritz Fehrmann nach seiner Verhaftung im Mai 1961)



In der Empfangshalle der Polizeiinspektion Barnim in der Bernauer Werner-von-Siemens-Straße hängt seit kurzem eine Gedenktafel. „Zur Erinnerung an Oberleutnant Fritz Fehrmann“, ist darauf zu lesen. Der Besucher erfährt, dass Fehrmann von 1952 bis 1961 bei der Volkspolizei in Bernau gearbeitet und dass er von 1953 bis zu seiner Verhaftung „aus Überzeugung gegen die politische Ordnung der DDR Widerstand geleistet“ hat und dafür im Oktober 1961 hingerichtet wurde. Die Gedenktafel weist auf ein recht unbekanntes Schicksal hin, das derzeit als unrühmlicher Teil brandenburgischer Polizeigeschichte aufgearbeitet wird.

Ein paar Kilometer von der Polizeiwache entfernt blättert der 62-jährige Klaus Fehrmann in seinem Haus in den Unterlagen, die er nach der Wende über seinen Vater erhalten hat. Die Anklageschrift wegen „Spionage im schweren Fall“, das Todesurteil, den Totenschein, auf dem „Schädelbasisfraktur“ infolge eines Unfalls als Todesursache steht. Der Todesort Frankfurt (Oder) ist falsch. Fritz Fehrmann starb nachweislich in Leipzig unter dem Fallbeil.
Kinder kamen ins Heim

Klaus Fehrmann war neun Jahre, sein Bruder Achim sechs Jahre alt, als seine Eltern von der Stasi abgeholt wurden und die beiden Jungen in ein Heim kamen, obwohl sich Verwandte um sie kümmern wollten. Den beiden älteren Brüdern blieb dieses Schicksal erspart. Den Vater sahen sie nie wieder. Die Mutter, verurteilt zu zehn Jahren Haft ebenfalls wegen Spionage im schweren Fall, kam frei, als Klaus Fehrmann 13 war. Er sagt, seine Mutter habe bis zu ihrem Tod im Jahr 2003 über das Geschehene wenig gesprochen.

Wer war dieser Mensch, den die Polizei nun mit einer Gedenktafel ehrt? Fritz Fehrmann wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Verwaltungsangestellter in Altlandsberg, 1949 ließ er sich zum Polizisten umschulen. Er brachte es bis zum Oberleutnant und wurde Sekretariatsleiter der Hauptgeschäftsstelle des Volkspolizeikreisamtes Bernau. Er war somit Vizechef in der Behörde und hatte Zugang zu geheimen Verschlusssachen.

1953 soll Fehrmann laut Stasiunterlagen durch einen Bekannten Kontakt zum amerikanischen Geheimdienst bekommen haben. Danach soll er unter den Decknamen „Faust“ und „Arens“ Papiere aus der Polizeiverwaltung der DDR weitergegeben haben, darunter Dokumente über das Grenzregime in den Monaten vor dem Bau der Berliner Mauer. Elisabeth Fehrmann, die Ehefrau des Polizisten, fungierte den Stasi-Akten zufolge unter dem Decknamen „Margot Arens“ als Kurier. Das Paar soll für seine Spionagetätigkeit in all den Jahren 45.000 Mark der Deutschen Notenbank von dem Geheimdienst erhalten haben.


In der „Einschätzung der Bedeutung der von dem ehemaligen Sekretariatsleiter und Oberleutnant der Volkspolizei im Volkspolizeikreisamt Bernau, Fritz Fehrmann begangenen Spionageverbrechen“, die von der Generalstaatsanwaltschaft der DDR nach der Verhaftung des Ehepaares im Mai 1961 in Auftrag gegeben wurde und die sich in den Stasiunterlagen befindet, lässt der Verfasser schon keinen Zweifel mehr an der Schuld des Polizisten. „Der Verräter Fehrmann“, heißt es dort, dürfte während der Spionagetätigkeit zwischen 200 und 410 Staatsgeheimnisse weitergegeben ha- ben. Damit sei der amerikanische Geheimdienst über die Aktivitäten der Volkspolizei in den „letzten 7 bis 8 Jahren durch den Verräter Fehrmann informiert worden“. In dem Bericht wird Fehrmann als „Stiefellecker der imperialistischen Geheimdienste“ diffamiert.

Fehrmann gab die ihm zur Last gelegten Taten zu. Wie schlimm es kommen würde, darüber waren sich die Eheleute aber offenbar nicht im Klaren. In einem der letzten Briefe, den Elisabeth Fehrmann an ihren Ehemann schrieb, verbreitete sie noch Zuversicht: „Sei nicht zu sehr verzagt und gib die Hoffnung nicht auf, daß auch noch für uns beide eine schönere Zeit kommt.“ Sie rechnete mit hohen Haftstrafen – nicht aber mit einem Todesurteil.

„Wenn man die Unterlagen sieht, dann erkennt man, wie pervers die Geschichte war“, sagt Klaus Fehrmann, der Sohn des hingerichteten Polizisten. Denn schon lange vor dem Prozess habe festgestanden, dass sein Vater zum Tode verurteilt werden würde. So ist den Stasi-Akten zu entnehmen, dass der Generalstaatsanwalt der DDR am 7. September 1961, zwei Wochen vor Prozessbeginn, an das Zentralkomitee der SED schrieb: „Bei Fehrmann handelt es sich um einen ausgesprochenen und unverbesserlichen Feind unseres Staates, der (...) den Kriegsvorbereitungen der Imperialisten bewußt Vorschub leistete. Wegen der Schwere und des Umfanges des Verrates ist vorgesehen, die Todesstrafe zu beantragen.“ Die Zustimmung des Ministers Mielke liege vor. Zahlreiche Polizeidienststellen hatten zudem ihre Empörung über den „Verräter“ öffentlich kundgetan. Bestellte Pamphlete, sind sich Historiker heute sicher.

Vorsitzender Richter im Verfahren gegen die Fehrmanns, das am 20. September 1961 vor dem Bezirksgericht in Frankfurt (Oder) begann, war Walter Ziegler. Er galt als gnadenloser Jurist, der in den 1950er und 1960er Jahren als Vorsitzender des 1. Strafsenats im Obersten Gericht der DDR und als Bezirksrichter in Frankfurt (Oder) zahlreiche harte Urteile in politischen Prozessen fällte. Für den Schauprozess gegen Fritz und Elisabeth Fehrmann vor ausgesuchtem Publikum waren drei Tage vorgesehen. Er endete wie vorgesehen: mit der Todesstrafe für Fritz Fehrmann. Seine Frau wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Vermögen der Fehrmanns wurde eingezogen, die Wohnung aufgelöst. Ein Gnadengesuch des Polizisten lehnte der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht persönlich am 16. Oktober 1961 ab.
Vollstreckung im Morgengrauen

Fünf Tage später wurde der 37-jährige Fritz Fehrmann in der Strafvollzugsanstalt in Leipzig hingerichtet. Im Vollstreckungsprotokoll, das Fehrmanns Stasi-Akte beiliegt, ist jeder Schritt penibel aufgeführt: „Der Verurteilte verbrachte die letzten Stunden liegend in seiner Zelle“, ist dort zu lesen. Um 4 Uhr morgens sei er gefesselt dem Scharfrichter übergeben worden. „Die Vollstreckung dauerte 3 Sekunden.“ Anschließend sei die Leiche im Krematorium verbrannt worden.

„In der DDR wurde das Schicksal meiner Eltern totgeschwiegen“, erzählt der Sohn des Polizisten. Klaus Fehrmann hat nach der Wende begonnen, alles über seinen Vater zu recherchieren. Und als er vieles wusste, hat er sich gefragt, warum eigentlich nur die Opfer an der Berliner Mauer geehrt werden. Warum nicht auch solcher Menschen gedacht wird, die in der DDR politischen Widerstand geleistet und ihr Engagement mit dem Leben bezahlt haben. Solche Menschen wie sein Vater. Und als vor drei Jahren die Fahnen auf halbmast standen im Gedenken an die Mauertoten, da ärgerte er sich darüber, dass die Polizei nicht auch an ihre Opfer erinnert. „Es gibt mit Sicherheit mehr Menschen in der Polizei oder auch bei der damaligen Volksarmee, die wie mein Vater Widerstand geleistet haben und dafür gestorben sind, und die es verdienen, gewürdigt zu werden.“

Klaus Fehrmann wandte sich an das Innenministerium in Potsdam – es war der Anstoß für eine Aufarbeitung. Der Historiker Wieland Niekisch vom polizeihistorischen Zentrum der Polizei-Fachhochschule in Oranienburg bekam den Auftrag, über Fritz Fehrmann nachzuforschen.
Eine Rose zum Geburtstag

„Die Frage war, wie der Geheimnisverrat und der Widerstand, den Fehrmann geleistet hat, zu bewerten waren“, sagt Niekisch. Er habe alle verfügbaren Unterlagen zu Fritz Fehrmann studiert, auch alle möglichen NSDAP-Dokumente durchforstet, um eine Verstrickung Fehrmanns in das Naziregime auszuschließen. Niekisch fand nichts Belastendes, und er kam zu dem Urteil, dass Fritz Fehrmann als beispielhaft gewürdigt werden könne. Die Spionage sei aus dessen politischer Überzeugung erwachsen – auch wenn er dafür Geld bekommen habe.

„Das, was Fehrmann getan hatte, war aktiver Widerstand. Ein Akt des Aufbegehrens gegen ein totalitäres Regime“, sagt der Historiker. Fehrmann habe auch noch im Prozess, als es um seinen Kopf ging, seine Ansichten vertreten. Seine Haltung sei ähnlich mit dem Widerstand der vielen konspirativ tätigen Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Fritz Fehrmann hat nie eine letzte Ruhestätte gefunden. Niemand weiß, was mit seiner Asche geschah. Mit der Gedenktafel gebe es nun endlich ein Art Grabstein, sagt sein Sohn. Erst vor kurzem, am Geburtstag seines Vaters, hat er dort eine Rose niedergelegt.

Fritz und Elisabeth Fehrmann wurden 1992 rehabilitiert. Im Juli dieses Jahres erklärte das Landgericht Frankfurt (Oder) auch die Anordnung der Heimerziehung für Klaus Fehrmann und seinen Bruder für die Jahre 1961 bis 1965 für rechtsstaatswidrig.


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