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Vor zehn Jahren starb Country-Legende Johnny Cash

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Beitrag  checker Do Sep 12, 2013 4:17 am

Er sang im Weißen Haus und im Knast, über die Liebe und den Tod. Sein Leben lang kämpfte der „Man in Black“ gegen Drogen und Alkohol – und für seine große Liebe. Heute vor zehn Jahren starb Johnny Cash.

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Für viele war er der größte Country-Sänger aller Zeiten. Im Laufe seiner knapp 40-jährigen Karriere nahm Johnny Cash mehr als 2500 Songs auf und landete 14 Nummer-eins-Hits in den US-Billboard-Country-Charts. Doch der Mann, der mit seiner markanten Bassbariton-Stimme vor US-Präsidenten und Knastbrüdern sang, war viel mehr: Folk, Gospel, Blues, Rockabilly, Pop, Rock ’n’ Roll. Mit Songs wie „Ring of Fire” und “I Walk the Line” schrieb Johnny Cash Musikgeschichte. Heute vor genau zehn Jahren ist er gestorben.

Reue, Buße, Untreue und Schuld – so hießen die Eckpfeiler seines Universums. Cashs Lieder handelten meist von seiner eigenen schweren Kindheit, von den Armen, Verdammten und Unterdrückten der Welt, aber auch von Liebe und Hoffnung, von Glaube und Zuversicht. Texte wie „I shot a man in Reno – just to watch him die” (Folsom Prison Blues) oder „I can’t forget the day, I shot that bad bitch down“ (Cocaine Blues) stammten von einem Mann, der zwar kein Mörder war, der aber die Tiefen der menschlichen Existenz auslotete wie kein Zweiter.

„Because you´re mine, I walk the line“
Johnny R. Cash wird am 26. Februar 1932 in Kingsland, Arkansas, geboren. Nach einer harten Kindheit auf der Baumwollfarm seiner Eltern geht er zur Air Force. Seine dreijährige Dienstzeit verbringt er im bayerischen Landsberg am Lech, wo er mit den „Landsberg Barbarians“ seine ersten Auftritte als Musiker feiert. In Deutschland schreibt Cash auch seine ersten Songs, die er 1955 in Memphis bei Sun Records, dem legendären Label von Topproduzent Sam Phillips, vorstellt.

Beim Elvis-Presley-Entdecker fallen die Gospel-Nummern, die Cash mit Bassist Marshall Grant und Gitarrist Luther Perkins („The Tennessee Two“) eingespielt hat, allerdings durch. Cash reicht „Hey Porter“ nach – und bekommt einen Plattenvertrag. Mit Phillips entwickelt das Trio den typischen „Boom Chicka Boom“-Sound, der zu seiner Erkennungsmelodie wird. Bereits die zweite Single, „Folsom Prison Blues“, führt sie bis an die Spitze der Charts.

„And then I see a darkness“
Fortan tourt das Trio nahezu ununterbrochen durchs Land. Seine stetig wachsende Fangemeinde begrüßt er dabei immer mit den Worten „Hello, I´m Johnny Cash!“ Doch die rund 300 Konzerte im Jahr fordern ihren Tribut: Immer häufiger greift er zu Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, trinkt zu viel und rastet aus.

Cash wird siebenmal verhaftet. Meist, weil sich zu viele Pillen im Handgepäck befinden. Alkohol ist dagegen legal – und Cash geht daran kaputt. Im Herbst 1967 ist er ein Wrack. Er klettert in ein riesiges Höhlensystem am Tennessee River und legt sich zum Sterben hin. Als nichts passiert, erkennt er, dass sein Schicksal nicht in seinen Händen liegt. Cash wird bekennender Christ.

„Love is a burning thing“
Seine große Liebe June Carter erweist sich als rettender Engel. Die Sängerin, der Cash seit langem verfallen ist, pflegt ihn und hilft ihm dabei, clean zu werden. Das Paar kennt und liebt sich seit vielen Jahren, doch beide sind mit anderen Partnern verheiratet. Als Ausdruck ihrer heimlichen Liebe schreibt sie für ihn 1963 seinen bekanntesten Hit: „Ring Of Fire“. Im Februar 1968 – beide sind inzwischen geschieden – macht ihr Cash während eines Konzertes in Toronto einen Heiratsantrag. Eine Woche später heiraten sie.

Legendärer Auftritt im Knast – „Die Wärter hatten Todesangst”


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Auch mit der Karriere geht es 1968 wieder bergauf. Cash tritt vor 2000 Häftlingen im berüchtigten Folsom-Gefängnis von Kalifornien auf. Der umjubelte Auftritt wird nur noch von seinem zweiten Knastkonzert 1969 getoppt, das er in San Quentin, San Francisco, gibt. Cash widmet den Knastbrüdern einen Song, und diese wissen zunächst gar nicht, wie ihnen geschieht, als er mit den Worten „San Quentin, you´ve been livin´ hell to me“ beginnt. Erst Sekunden später spenden die Insassen ungläubig Applaus. Der Refrain “San Quentin, I hate every inch of you” geht dagegen komplett im Gejohle unter.

„Die Wärter hatten Todesangst. Sämtliche Häftlinge standen auf den Esstischen. Sie waren außer sich“, erinnert sich Cash später. „Als ich den Song das zweite Mal sang, hätte ich lediglich ´Brecht aus!´ sagen müssen, und sie hätten es getan. Die Wärter wussten es auch. Ich war in Versuchung.“

„I hurt myself today, to see if I still feel“
In den 70ern hat Cash auf ABC seine eigene Fernsehshow. Er tritt trotz seiner regierungskritischen Meinung zum Vietnamkrieg im Weißen Haus für Präsident Richard Nixon auf und veröffentlicht eine erfolgreiche Autobiographie. Doch sein Stern ist am Sinken. Er landet in der Schublade der alternden Stars, die mit ihren Hits durch die Welt ziehen und nichts Neues zu bieten haben. Mitte der 80er-Jahre wirft ihn Columbia nach 30 Jahren aus seinem Plattenvertrag. Doch was aussieht wie das Ende der Karriere, ist in Wahrheit eine Art Auferstehung – dank Rick Rubin.

Der langbärtige Hip-Hop- und Hardcore-Produzent (Beastie Boys, Red Hot Chili Peppers und Slayer) überredet ihn 1994 zu einem Comeback. Rubin präsentiert Cash, wie ihn noch niemand kannte: Ohne Schnickschnack raunt der „Man in Black“ tief und düster zur Akustikgitarre. Mit „American Recordings“ und dem Video zu „Delia’s Gone“, in dem er Kate Moss ermordet, ist Cash plötzlich wieder im Geschäft. Es folgen noch weitere vier Alben, auf denen er vorwiegend mit Cover-Versionen brilliert, wie „One“ (U2), „Hurt“ (Nine Inch Nails) oder „Personal Jesus“ (Depeche Mode).

„I know we´ll meet again some sunny day“
Cash klingt dabei stets, als sei er gerade dem Alten Testament entstiegen. Seine brüchige Stimme ist längst von seinen schweren Krankheiten (Parkinson, Diabetes) gekennzeichnet. Der Gang zum Mikrofon in seinem hauseigenen Studio fällt ihm immer schwerer. Oft liegt er stundenlang wach, um für eine einzelne Aufnahme Kraft zu sammeln.

Immer an seiner Seite: die geliebte June. Am 15. Mai 2003 stirbt sie an den Folgen einer Herzklappenoperation. Ihr Tod bricht auch sein Herz: Nur vier Monate später verliert er am 12. September 2003 seinen Kampf gegen den Diabetes. „I Walk The Line“ steht auf seinem Grabstein – „Ich bleibe auf Kurs“.


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