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Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV)

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Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV) Empty Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV)

Beitrag  checker Fr Nov 27, 2015 10:32 am

Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV) (1891–1933), gegründet auf dem Metallarbeiterkongress in Frankfurt am Main (1.-6. Juni 1891) war ein freigewerkschaftlicher Verband der Metallarbeiter.

Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV) 220px-Bundesarchiv_Bild_102-10620%2C_Berlin%2C_Geb%C3%A4ude_des_Metallarbeiter-Verbandes
Sitz des Deutschen Metallarbeiterverbandes in der Alten Jakobstraße in Berlin-Kreuzberg (Oktober 1930)

Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV) 800px-Metallarbeiter
Mitgliedsbuch aus dem Jahre 1919 (Privatbesitz: Norbert Luffy)

Vorläufer des DMV

Mehr als zwei Jahrzehnte zuvor begannen in der deutschen Arbeiterschaft konkrete Bemühungen, um wirksame Interessenvertretungen zu schaffen. Die Metallarbeiter spielten dabei, aufgrund ihres hohen Organisationsgrades, ihrer zahlenmäßigen Größe, und ihres relativ hohen Bildungsstandes eine herausragende Rolle. So wurde auf dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterkongress (26.-29. April 1868, Berlin) - einberufenen von den Lassalleanern Johann Baptist von Schweitzer und Friedrich Wilhelm Fritzsche – die Allgemeine Deutsche vereinigte Metallarbeiterschaft mit Sitz in Hannover gegründet. Der von der Bebel-Liebknechtschen Richtung getragene 5. Vereinstag der Deutschen Arbeitervereine (5.-7. September 1868, Nürnberg) übernahm das Programm der Internationalen Arbeiterassoziation und schlug die Gründung von zentralisierten Gewerksgenossenschaften vor. Dem zufolge wurde auf dem vom 14.-16. August 1869 in Nürnberg abgehaltenen internationalen Metallarbeiterkongress die Internationale Metallarbeitergewerksgenossenschaft gebildet. Die Allgemeine Deutsche Metallarbeiterschaft und die Internationale Gewerksgenossenschaft der Metallarbeiter vereinigten sich auf dem in Braunschweig vom 28. bis 30. November 1869 tagenden Metallarbeiterkongreß zu einer einheitlichen Metallarbeitergewerkschaft, der Internationalen Metallarbeiterschaft mit Sitz in Hannover (ab 1872 in Chemnitz; ab 1874 in Braunschweig). Weitere Vorläufer des Deutschen Metallarbeiterverbandes waren der

Gewerkverein der Deutschen Gold- und Silberarbeiter (Hirsch-Duncker/ gegr. 1869 in Pforzheim),
Verband der Klempner und verwandter Berufsgenossen (gegr. 1873 in Frankfurt/Main)
Verband der Schmiede (gegr. 1877 in Leipzig).

Sozialistengesetz contra Gewerkschaftsorganisation

Am 21. Oktober 1878 wurde das Sozialistengesetzes erlassen, mit der Folge, dass alle Metallarbeiterverbände polizeilich aufgelöst wurden. Die Metallarbeiterschaft wollten sich der Verordnung nicht beugen. Weitere Versuche zur Schaffung von Interessenvertretungen wurden gestartet. So kam es im Verlaufe der Jahre 1880–1890 zur Gründung von Fachvereinen spezieller Metallarbeiterberufe. Im Dezember 1884 wurde ein Metallarbeiterkongress nach Gera einberufen, der die Gründung einer Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands mit Sitz in Mannheim beschloss. Am 19. August 1885 löste der badische Landeskommissär diese gewerkschaftliche Vereinigung mit allen ihren Zweigvereinen unter Berufung auf das Sozialistengesetz auf.

Gründung des DMV

Der Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV) 800px-Reiniger_Gebbert_und_Schall_Paul_Ritzer_1909-10_001
Arbeiter-Ausschuss der Firma Reiniger, Gebbert & Schall in Erlangen. Dritter von links: Paul Ritzer

Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes fand vom 1. bis 6. Juni 1891 ein allgemeiner Metallarbeiterkongress in Frankfurt/Main statt. Dort wurde ein von Martin Segitz und seinen Mitarbeitern ausgearbeiteter Statutenentwurf für eine „Metallarbeiter-Union“ beraten, in dem alle „in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen“ zum Beitritt aufgerufen wurden. Von 128 Delegierten des Kongresses, die 112 gemischte, 23 Former-, 17 Klempner-, 15 Schlosser- und 33 verschiedene andere Fachorganisationen aus etwa 120 Orten vertraten, entschieden sich 101 für einen solchen Industrieverband, 20 sprachen sich dagegen aus.

Dieser Verband erhielt den Namen „Allgemeiner deutscher Metallarbeiterverband“ (DMV). Als Gewerkschaftssitz wurde Stuttgart bestimmt. Hauptbefürworter für einen sofortigen Anschluss der Mechaniker ist Alexander Schlicke, der seit 1890 „Vertrauensmann“ der Mechaniker ist. Einige Branchenorganisationen – die Schmiede und die Former – blieben selbständig. Die Former bis 1901, die Schmiede bis 1912. Verschiedene örtliche gemischte Branchenorganisationen vor allem in Berlin schlossen sich dem DMV erst 1897 an. Mit der Gründung einer Industriegewerkschaft nahmen die Metallarbeiter eine Vorreiterrolle in der gesamten deutschen Gewerkschaftsbewegung ein. Die Mitgliederzahl vergrößerte sich rasch. Schon Ende 1891 hatte der DMV 23.000 Mitglieder in 180 Verwaltungsstellen.[1]

Erster Weltkrieg und Burgfrieden

Gemeinsam mit den anderen in der Generalkommission der Gewerkschaften zusammengeschlossenen Organisationen beschließt der DMV am 2. August 1914 alle Streiks abzubrechen um die Kriegsziele des Kaiserreiches nicht zu gefährden, zwei Tage später unterstützt auch die Sozialdemokratie im Reichstag die Kriegskredite. Der Streikverzicht bringt dem DMV erstmals die Anerkennung des Staates, kommt aber auch durch die Unterlassung von Streiks einer Selbstaufgabe gleich.

Von Beginn an gab es deshalb Opposition. Die Berliner Dreher unter ihrem Branchenleiter Richard Müller verweigerten sich schon 1914 dem Burgfrieden und führten wilde Streiks durch, später politisierte sich die Bewegung und es entstand das Netzwerk der Revolutionären Obleute. Gegen den Willen der DMV-Führung organisierten sie die Metallarbeiter in Berlin und anderen Städten zu drei großen Massenstreiks gegen den Krieg. In Frankfurt entstand in dieser Zeit unter Führung des Funktionärs Robert Dißmann eine zweite, gemäßigtere Oppositionsströmung.[2]
Novemberrevolution und Weimarer Republik

Die Novemberrevolution wurde in Berlin maßgeblich von den Revolutionären Obleuten innerhalb des DMV vorbereitet, ihr Anführer Richard Müller wurde Vorsitzender des Vollzugsrates der Groß-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte. Nach der Revolution schlossen sich die Führungen der großen Gewerkschaften Deutschlands zu einer „Arbeitsgemeinschaft“ mit den Unternehmern zusammen. Zugunsten des 8-Stundentages und der Anerkennung als Tarifpartner verzichteten sie auf weitergehende revolutionäre Forderungen. Im DMV war die Opposition gegen die Arbeitsgemeinschaft ebenso heftig wie gegen den Burgfrieden. Auf dem Verbandstag 1919 gelang es den Oppositionellen, den Vorstand abzusetzen. Robert Dißmann wurde Vorsitzender, Richard Müller einer der beiden Chefredakteure des Verbandsorgans „Deutsche Metallarbeiter-Zeitung“. Der DMV bekannte sich nach dem Führungswechsel als Ganzes zum Rätesystem, war damit die einzige deutsche Gewerkschaft die offen räterepublikanische Ziele vertrat.

Als jedoch die Novemberrevolution abebbte, rückten Dißmann und andere von diesen rätedemokratischen Zielen ab und begnügten sich mit der damals eingeführten und bis heute üblichen Form der Mitbestimmung in Form von Betriebsräten, Richard Müller wurde als Redakteur der Verbandszeitung entlassen. Der DMV beteiligte sich im Folgenden auch an der Arbeitsgemeinschaft und vertrat in seiner Mehrheit reformistische Ziele, wenngleich weiterhin eine starke linkssozialistische und später auch kommunistische Opposition existierte.[3]
Auflösung und Nachfolger

Der DMV suchte ebenso wie andere Großgewerkschaften nicht, seine Mitglieder nach der Machtübernahme der Nazis zum Widerstand zu bewegen. Ähnlich wie 1914 suchte die Verbandsführung stattdessen eine Verständigung mit dem Staat und rief sogar am 1. Mai 1933 zum von den Nazis aufgerufenen „Tag der nationalen Arbeit“ auf. Durch eine Entpolitisierung der Verbandsarbeit hoffte man vergeblich, einem Verbot entgegenzuwirken. Die Nazis nutzten die Apathie des DMV und anderer Großgewerkschaften für ihre Machtkonsolidierung: am 2. Mai 1933 wurde der DMV aufgelöst und sein Vermögen beschlagnahmt. Unabhängig von der sogenannten Anpassungspolitik beteiligten sich nicht wenige Mitglieder des DMV im Widerstand gegen das NS-Regime. In einzelnen Verbandsbezirken sollen sich 30 bis 50 Prozent der ehemaligen haupt- und ehrenamtlichen Funktionäre an illegalen Aktivitäten beteiligt haben. Zahlreiche DMV-Mitglieder wurden zwischen 1933 und 1945 verfolgt und mussten eine Inhaftierung, nicht selten in einem Konzentrationslager, über sich ergehen lassen.

Nach 1945 wurde in Westdeutschland die Industriegewerkschaft Metall als Nachfolgeorganisation des DMV gegründet, in der DDR gingen die Mitglieder in die gleichnamige Einzelgewerkschaft IG Metall über, seit 1990 vertritt die IG Metall als größte Gewerkschaft in dieser Branche die Beschäftigten der Metallindustrie in Deutschland.
Bekannte Mitglieder
Leitung des DMV

Neben dem Verbandsbeirat existierte beim DMV ein erweiterter Verbandsbeirat. Der DMV war Mitglied im Internationalen Metallarbeiterbund (Sitz: Bern). Vorsitzende des DMV waren: August Junge (1891–1895), Alexander Schlicke (1895–1919), Robert Dißmann (1919–1926), Willy Eggert (1921–1924), Alwin Brandes / MdR (1919–1933), Georg Reichel (1919–1933).
weitere Mitglieder

Wilhelm Bluhm (1898–1942), der Widerstandskämpfer wurde ermordet im KZ Sachsenhausen[4]
Max Maddalena (1895–1943), Reichstagsabgeordneter der KPD von 1928 bis 1933, Widerstandskämpfer, starb im Zuchthaus Brandenburg-Görden


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